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30 Okt 2019

Warum ist das Kunststoffrecycling so schwierig?

Und was kommt als nächstes?

Martin Weper

Es gibt variierende Statistiken darüber, wie viel Plastik pro Jahr weltweit produziert wird, zwischen 100 Millionen Tonnen bis zu mehr als 300 Millionen Tonnen. Wie dem auch sei, nur 5% bis 9% davon werden effektiv recycelt. Allein in Indonesien landen jedes Jahr 1 Millionen Tonnen Plastik im Wasser. Weltweit ist das Problem so schlimm, dass die Ellen McArthur-Stiftung schätzt, dass, wenn keine Maßnahmen ergriffen werden, bis 2050 mehr Plastik im Meer sein wird als Fische.

Warum wird so wenig Plastik recycelt? Um Antworten zu finden, müssen wir uns den Herstellungsprozess anschauen. Kunststoffgranulate werden geschmolzen, um die Produkte zu machen, die wir kennen, wobei verschiedene Prozesse Anwendung finden. Wasserflaschen werden zum Beispiel mit einer Art Kunststoff blasgeformt, während fertige Menüschalen aus einer anderen Art Kunststoff per Spritzguss hergestellt werden.

Unterschiedliche Kunststoffe haben unterschiedliche Schmelzpunkte, in Abhängigkeit vom Herstellungsprozess. Chemische Zusatzstoffe kommen ins Bild, um dem Plastik bestimmte Eigenschaften zu verleihen. Solche Zusätze können ein Plastik zum Beispiel biegsamer oder härter machen. Auch Farben werden hinzugefügt, um den gewünschten Effekt zu erzielen.

Daher gibt es tausende Variationen von Plastik. Nicht alle können recycelt werden. Wenn Kunststoffe, die wiederverwertet werden können, recycelt werden, wird die Qualität jedes Mal gemindert, wenn es zum Schmelzen erhitzt wird, um ein neues Produkt zu machen. Vergleichen Sie es mit Aluminium. Aluminium kann geschmolzen und neu geformt werden, ohne jemals Qualität einzubüßen. Tatsächlich spart Aluminium 95% der Energie, die benötigt wird, um es erstmals aus dem Rohmaterial zu schaffen.

Kunststoffe sind dagegen kein Standard und das ist ein Problem. Haushalte werfen alle Kunststoffe in einen Topf für die Wiederverwertung und es muss sorgfältig nach Typ sortiert werden, was kostspielig für die Recyclingindustrie ist. So ist beispielsweise eine Wasserflasche üblicherweise recycelbar, eine Menüschale dagegen nicht. Dieses Problem wird durch Produkte, die zwei verschiedene Kunststoffarten enthalten, noch verschlimmert, da diese noch schwieriger zu recyceln oder sogar komplett nutzlos für die Wiederverwertung sind.

Da Kunststoff aufgrund des Qualitätsverlusts einen geringen Wert als Recyclingmaterial hat, ist seine Lebensdauer schnell zu Ende und er verbringt die Ewigkeit in einer Mülldeponie oder als Fischfutter.

Bleiben wir also auf dem Plastik sitzen?

Kunststoff ist aber nicht immer schlecht. Er spielt eine wichtige Rolle in der Medizin, von dem Material für Prothesen bis zu einzigartigen antimikrobiellen Oberflächen, die Bakterien abweisen und vor Krankheiten schützen.

Das Problem ist Kunststoffabfall. Aufgrund seiner begrenzten Lebensdauer als recyceltes Material - und wir haben noch nicht mal über die Toxine gesprochen, die bei der Produktion von Kunststoffgranulat freigesetzt werden - müssen wir alle unsere Verwendung einschränken, sowohl zuhause als im Geschäftsleben.

Die Rolle der Unternehmen

Die Verpackungsindustrie muss umweltfreundlichere Alternativen zu Kunststoff erkunden. Manche Unternehmen antworten mit bio-basierten und erneuerbaren Rohmaterialien sowie der Übernahme von kompostierbaren Materialien und das sind gute Neuigkeiten, obwohl sie als erste Babyschritte längst nicht perfekt sind und viel Raum für Verbesserung bieten. Zum Glück besteht eine Nachfrage nach grünen Verpackungen und diese soll bis 2022 um 95,28 Milliarden US-Dollar steigen, was einer Wachstumsrate von über 8% im Vorhersagezeitraum entspricht.

Wenn die Unternehmen, die Verpackungen verwenden, relevant bleiben möchten (mehr Verbraucher denn je verlangen plastikfreie Optionen), dann müssen auch sie reagieren. Es gibt finanzielle Anreize, dies zu tun. So können Sie zum Beispiel durch die Überprüfung Ihrer Verwendung von Verpackungen Materialabfälle eliminieren - Sie müssen nur bewerten, was Sie verwenden. Abfall zu eliminieren, spart Geld.

Unternehmen werden aktiv

Im letzten Jahr legt das Europäische Parlament ehrgeizige Ziele für Einwegplastik fest. Andernorts erarbeiten Regierungen ihre eigene Agenda für das gleiche Ziel. Die Unternehmen haben keine andere Wahl, als die neuen Richtlinien zu befolgen. Glücklicherweise geben einige sogar den Weg vor und sollten dafür Beifall ernten.

Hier geht es um die Abschaffung von Kunststoffabfall und Umweltverschmutzung an der Quelle, was auch die Mission der weltweiten Initiative New Plastics Economy Global Commitment unter Führung der Ellen MacArthur-Stiftung ist. Vielleicht dient es als Beruhigung zu wissen, dass mehr als 350 Unternehmen sich dieser bereits verpflichtet haben, welche 20% der weltweit produzierten Plastikverpackungen repräsentieren.

Die Guten: Wer macht einen Unterschied?

Zu diesen Unternehmen gehören große Verbrauchermarken, Kunststoffverpackungsproduzenten und Spezialisten des Ressourcenmanagements.

Eines dieser Unternehmen ist Veolia. Dieses rät seinen Kunden, die Produktion von Abfall jeder Art einzuschränken, aber insbesondere Kunststoffabfall. Es unterstützt sie bei der Abholung und Trennung dieses Abfalls. Es entwickelt Abholungsschemen, die die Einwohner belohnen. Diese Bemühungen zielen darauf ab, Kunststoff zu einem sekundären Rohmaterial zu machen und eine Kreislaufwirtschaft mit den Herstellern zu entwickeln.

Ein weiterer Unterzeichner ist LEGO, welcher es geschafft hat, 100% der Energie, die er für die Herstellung seiner Spielzeuge verwendet, mit Energie aus erneuerbaren Quellen auszugleichen (und das drei Jahre früher als geplant), und zudem hat er eine Reihe an weiteren umweltpolitischen Meilensteinen versprochen, wie bis 2025 100% nachhaltige Verpackungen zu erzielen. Was die Spielzeuge selbst angeht, wird nach Wegen gesucht, um diese traditionellen Bausteine aus pflanzenbasierten Kunststoffquellen aus Zuckerrohr zu fertigen.

Unilever hat versprochen, dass bis 2015 100% seiner Plastikverpackungen so gestaltet sein werden, dass sie vollständig wiederverwendbar, recycelbar oder kompostierbar sind. Seit 2010 wurde sein gesamtes Abfallaufkommen pro Verbraucher um 31% reduziert.

Alle Unterzeichner des Global Commitment finden Sie hier. Wählen Sie die Unternehmen, mit denen Sie sich einlassen möchten, auf Basis ihrer Umweltbemühungen und -politiken. Das zeigt den Unternehmen, dass es tatsächlich umweltpolitisch (und wirtschaftlich) tragfähig ist, eine Haltung einzunehmen und, viel wichtiger, Veränderung zu bewirken.